Offener Brief

Offener Brief eines jungen Vaters an alle Kirchen zu Weihnachten!
 
Als stolzer Vater eines einjährigen Sohns wende ich mich an alle Kirchen. Bis zur Geburt meines Sohnes habe ich trotz vieler alarmierenden Nachrichten zu Klimaveränderungen ein unbekümmertes Leben geführt. Die Angst um die Zukunft meines Sohnes hat mir jedoch die Augen geöffnet, denn ich bin es meinen Sohn schuldig, mich für seine Zukunft einzusetzen.

Die Menschheit steht an einem historischen Wendepunkt. Unser aller verschwenderischer und rücksichtsloser Lebensstil hat die Welt an den Rand dieser Katastrophe geführt. Auch Papst Franziskus hat das erkannt, als er im vergangenen Juni den globalen Klimanotstand erklärt hat. Durch die Erwärmung unseres Planeten im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter um ein Grad erleben wie Naturkatastrophen und Hungersnöte rund um den ganzen Globus. In den Sommern 2018 und 2019 kam die Krise auch zu uns: zwei verheerende Dürresommer, Ernteausfälle, Niedrigwasser, Baumsterben und Hitzetote waren die Folge. Doch das ist erst der Anfang.

Wissenschaftler warnen, dass wir kurz davor sind, Kipppunkte in unserem Klimasystem zu überschreiten. Unser Planet steht vor einer lebensfeindlichen Heißzeit. Belastbare Prognosen sagen: Drei bis vier Grad Erderwärmung bis zum Jahr 2100 machen die Erde in weiten Teilen unbewohnbar, Ökosysteme werden kollabieren, Nahrungsmittelketten versiegen. Wenn mein Sohn dann 80 ist, dürfte unsere menschliche Zivilisation an ihrem Endpunkt angelangt sein. So unwirklich uns diese Prognosen erscheinen, sie entsprechen den aktuellen Erkenntnissen der Wissenschaft. Dies ist der Grund, warum seit vergangenem Jahr weltweit Millionen junger Menschen auf die Straße gehen. Und seit dem letzten Sommer bin ich mit den parents for future Teil von ihnen.
 
Papst Franziskus selbst steht hinter der Bewegung und appellierte bereits 2015 in seiner Enzyklika: Laudato sí an die Menschen, die Klimakrise ernst zu nehmen und forderte, politische Programme zu entwickeln. Doch Politik verweigert sich wirksamen Lösungen und flüchtet sich in windelweiche Kompromisse, die unser Klima nicht retten werden. Die Natur verhandelt nicht. Mein Engagement für den Klimaschutz hat mich in den letzten Monaten zu der ernüchternden Erkenntnis gebracht, dass einem Großteil der Menschen ihr lieb gewonnener Lebensstil wichtiger ist als die Lebensperspektiven künftiger Generationen.
 
Daher mein lauter Appell an alle Kirchen: Rufen Sie alle Menschen auf, sich für die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen. Machen Sie den Erhalt unseres Planeten zum Thema Ihrer Weihnachtspredigt. Das kommende Jahr wird das entscheidende im Kampf gegen die Klimakrise. Wissenschaftler gehen davon aus, dass uns noch 10 Jahre verbleiben, um den Kollaps zu verhindern. Wir alle müssen jetzt handeln. Schaffen wir bis dahin nicht die 180 Grad-Wende, hilft auch kein Beten mehr.
 
Ich bitte Sie eindringlich: Nutzen Sie diesen einen Moment im Jahr, in dem die ganze Kirchengemeinde versammelt ist und appellieren Sie an ihr christliches Gewissen. Machen Sie den Menschen klar, was auf dem Spiel steht und ermuntern Sie sie, sich für Klimaschutz einzusetzen. Darum bitte ich Sie als Gemeindemitglied, Christ und Vater. 
 
Mit hoffnungsvollen Grüßen

Ein junger Vater

PS: Dieser Brief kann am besten individuell vor Ort an die Kirchengemeinde geschickt werden.